Prof. Dr. Ferdinand Ullrich – Katalogtext zur Ausstellung ‚Malerei 07‘
Filmstills sind das Thema der Malerei von Till Julian Huss. Das eine Bildmedium spiegelt sich im anderen, die Fotografie im traditionell gemalten Tafelbild. Die Szenen aus Stummfilmen der 1920er und 1930er Jahre werden auf sehr allgemeine Gesten reduziert, während das Schwarz-Weiß des frühen Films in der Grisaille-Malerei seine Entsprechung findet. Die technisch gegebene Reduktion des Stummfilms aus Schwarz-Weiß erfährt in der Malerei eine gewollte und bewusst herbeigeführte Reduktion auf einen sehr eingeschränkten Farbkanon. Dies unterscheidet diese Position von der eines Friedmann Hahn, der bereits seit den frühen 1970er Jahren Filmstills zum Vorbild für eine farbintensive Malerei genommen hat. Aber auch von Gerhard Richters Umsetzung fotografischer Bilder unterscheidet sich diese Position. Nicht die Transformation – mehr oder weniger mechanisch – des fotografischen Abbilds auf die Leinwand der Malerei ist sein Thema, sondern der Versuch, die Wirkung der Fotografie in einer nur der Malerei möglichen Weise zu verändern und zu steigern.
Die Graumalerei zusammen mit der Auslöschung der Physiognomien und der Vereinheitlichung des Hintergrundes schafft eine mystische Stimmung, die sich am ehesten noch im Werk von Richard Oelze finden lässt. Menschen vollführen eine Handlung, aber man weiß nicht, welche. Weder weiß man, was sie tun, noch wo sie es tun, noch wer sie sind. Man bleibt im vielfach Ungewissen. Diese Offenheit schafft zugleich Raum für die eigene Phantasie, das Unbestimmte wird unwillkürlich durch eigene Assoziationen und Geschichten gefüllt. Auch die Titel verschweigen mehr als das sie Aufklärung geben könnten.
Sie sind nur eine vorsichtige Andeutung eines möglichen szenischen Inhalts.
Bei aller Reduktion der Farbigkeit zugunsten des Fotografischen wird dennoch das Malerische durch die gleichmäßig weiche Kontur aller Bildmotive bestätigt und zugleich das Anonyme wieder ins Subjektive gerettet.
Sie sind nur eine vorsichtige Andeutung eines möglichen szenischen Inhalts.
Bei aller Reduktion der Farbigkeit zugunsten des Fotografischen wird dennoch das Malerische durch die gleichmäßig weiche Kontur aller Bildmotive bestätigt und zugleich das Anonyme wieder ins Subjektive gerettet.